Gardone Riviera, die Gartenstadt
Seine Lage
Das mit seinen 2700 Einwohnern überschaubare Städtchen Gardone Riviera am Westufer des Gardasees zeichnet sich vor allem durch seine üppige Vegetation aus. Am Seeufer gedeihen Bitterorangen, an den Häuserfassaden ranken sich Bougainvilleas hoch, die Hügel sind von Zypressen bekrönt und Olivenhaine ziehen sich auf den terrassenförmig modellierten Hängen bis in Höhen von 400 bis 500 Metern hinauf. Mit über zwanzig Exemplaren verfügt Gardone über die größte Kolonie an Kampferbäumen, hier wachsen die höchsten Steineichen und in keinem Ort am Gardasee gibt es mehr Gärten und Parks als in Gardone.
Diesen Reichtum verdankt es seiner Lage, seinem Klima und seinen Gründern.
Seine Ausrichtung nach Südosten verschafft ihm eine günstige Sonneneinstrahlung, seine Hügel schützen es vor rauen Nordwinden und die Bäche von den Bergen versiegen auch im Sommer nicht. Dazu kommt die ausgleichende Wirkung des Sees. Seine Wassermassen sorgen dafür, dass hier die Temperatur im Winter kaum mal unter den Gefrierpunkt sinkt und im Sommer selten 30° übersteigt.
Seine Gründer hatten dies erkannt als sie vor 130 Jahren mit dem Versuch begannen, den Ort zu einem Kurort mitteleuropäischer Prägung zu machen. Ein Hauch von Eleganz durchströmt Gardones Villen und Grand Hotels unter ihren Palmen und Himalaya-Zedern unverkennbar bis in unsere Tage.
Seine Vergangenheit
Das moderne Gardone verdankt seine Entstehung in der Tat der Eingebung einer Handvoll unternehmungslustiger, tüchtiger und weit blickender Ärzte. Die ersten kamen aus Bad Lippspringe in Westfalen, und sie kamen mit der Absicht, das bis dahin so gut wie unbekannte Gardone zu dem zu machen, was sie in der Heimat zurückgelassen hatten. Der Erfolg übertraf alle Erwartungen. Zu Anfang des 20. Jahrhunderts trafen sich im Grand Hotel Gardone der Eisenbahnkönig aus Amerika und der Großfürst aus St. Petersburg, und in der Villa Wimmer erholte sich König Georg von Sachsen von den Aufregungen, in die ihn seine Schwiegertochter Luise von Toscana gestürzt hatte.
Kein Wunder, dass Gardone auch den Ansprüchen eines Gabriele d’Annunzio genügte, der bis dahin eher mondänen Örtlichkeiten wie Florenz, Rom oder Paris den Vorzug gegeben hatte. Auch er hatte Erholung nötig: er fand sie, 1921, nach der immerhin über ein Jahr durchgehaltenen Besetzung Fiumes, des heutigen Rijeka in Kroatien, in den Gärten der Villa Cargnacco, des nachmaligen Vittoriale degli Italiani. Für die folgenden 17 Jahre wurden Gardones Grand Hotels zu Wartezimmern für Verleger, Staatsmänner, Gräfinnen und anderen mehr oder weniger ehrbaren Damen. Der „Comandante“ starb 1938, und sein Vittoriale wurde zur Sehenswürdigkeit, die auch 60 Jahre nach seinem Tode nichts an ihrer Anziehungskraft eingebüßt hat.
Eine gewisse Bedeutung hat Gardone dann noch einmal gegen Ende des Zweiten Weltkrieges erlangt: Von Oktober 1943 bis April 1945 hatte hier der Bevollmächtigte des Großdeutschen Reiches, Botschafter Rudolf Rahn, seinen Sitz – 15 Kilometer von dem seines Schutzbefohlenen, des Chefs der Republik von Salò, entfernt. Die in seiner Botschaft in Fasano getroffenen Entscheidungen entschieden oft genug über Wohl und Wehe eines Großteils der italienischen Bevölkerung.
In der Nachkriegszeit machte die Piazza Wimmer an der Dampferhaltestelle noch geraume Zeit der Piazzetta von Capri Konkurrenz. Im Hotel nebenan feilte Winston Churchill 1949 an seiner Eröffnungsrede für den Europarat, sein Landsmann Somerset Maugham machte dort regelmäßig vier Wochen Urlaub bevor er nach Venedig weiterreiste, und Wladimir Nabokow fing auf den Hügeln von Gardone – Schmetterlinge.


